Newsletter Dezember 2016

Kaum sind 2000 Jahre vorbei, und schon tut sich etwas

Früher war alles besser, vor allem die Zukunft!
Am 3. Adventssonntag traf ich mich mit meinem Bruder im höchst gelegenen Städtchen in Nordrhein-Westfalen. Wir kommen des Öfteren zusammen, schwelgen in Erinnerungen aus unserer Kindheit und reden über Gott und die Welt.

In der oberflächlichen Wahrnehmung fühlte sie sich sicherer und geordneter an. Klare Regeln, Rhythmen und Rituale bestimmten das Leben. Die Beschaulichkeit des Alltages ließ keine Widerworte gegenüber der Obrigkeit zu. Dorflehrer und Priester verfügten über dominierende Positionen, die nicht hinterfragt wurden. Besonders die Kirche, in meinem Falle die katholische Kirche, verstand es, prägenden Einfluß
auf ihre Seelengemeinde zu nehmen. Ich war, wie fast alle im Ort, regelmäßiger Kirchgänger. Die Formel war damals ganz einfach: Je öfter die Teilnahme am Opfermahl, desto größer die Chance auf einen Logenplatz im Himmel.

Mit der Geburt des Propheten Jesus Christus entstand eine populäre Religion. Sie lehrt im Wesentlichen, dass Gott seinen Sohn sandte, um die Menschheit zu befreien. Jesus Christus sei für unsere Sünden gestorben. Durch seine Geburt vor etwas über 2000 Jahren und seinen Tod habe er uns einen Schatz der Erlösung geschenkt. Mir blieben jedoch aus meiner Kindheit die Programme Schuld, Sünde, Angst und eine Trennung zwischen Mensch und Göttlichkeit in Erinnerung. Kurzum, in diesen von Machtmenschen geschaffenen Jahrhunderte alten Strukturen war es schwer möglich, den Zugang zu seinem Selbst, zu seiner Seele zu finden.

 „Jetzt wollen wir aber mal die Kirche im Dorf lassen“, höre ich meine Vorfahren wettern. Diese Redewendung wird bei einem Ausspruch der Unsachlichkeit benutzt und mahnt vor Übertreibung. Früher wurden alle Häuser um die Kirche herum gebaut. Eine Deutung bezieht sich auf Prozessionen, die wohl manchmal ausuferten und die Dorfgrenzen überschritten. Aus Nachbargemeinden konnte dann die Forderung kommen, Ortsgrenzen nicht zu verletzten und die Kirche im Dorf zu lassen.

Ein großer Teil der Menschen befreite sich inzwischen aus einer empfundenen Beklemmung und Enge im Herzen. Sie erkannten, dass es für ihr Leben förderlicher ist, sich von festgefahrenen Gewohnheiten zu verabschieden. Sie entdeckten neue Wege, die mit den Gesetzen des Lebens und der Natur übereinstimmen. Im Zerfall unserer wirtschaftlich-materiellen und gesellschaftlich-kulturellen Strukturen öffnen diese Menschen neue Lebensräume. Sie finden Alternativen gegenüber jenen, die meinen, das Zukünftige entstehe weiterhin aus Wachstum und aus einer Steigerung der Effizienz.

Und nun, nachdem der Mensch im vergangenen Jahr erstmalig mehr Ressourcen nutzte als auf der Erde nachwachsen und wo die Überlastung der Ökosysteme durch zu hohen Verbrauch der globalen Ressourcen bei gleichzeitiger Aufspaltung der Gesellschaft in Wohlhabende und Arme voranschreitet, welche Epoche folgt nun? Worauf kommt es an?

Millionen Menschen folgen den Yoga-Trend, um die Vernebelung des Geistes zu durchdringen. Sie suchen nach dem Rezept fürs vollkommene Loslassen und sie suchen ihr Selbst. Ebenso fühlen Menschen ihr geöffnetes Herz und leben in Verbindung zu ihrer Seele. Sie müssen nichts loslassen, weil sie nichts festhalten. Ihre Veränderung kommt von innen aus einem lebendigen Kontakt vom dichten Körper zum lichten Körper. Sie leben die Fülle der Liebe, die Alles durchdringt.

Wir können uns über Weihnachten Zeit nehmen, dieses Spannungsfeld Gestern, Heute und Morgen
nebeneinander stehen zu lassen. Wir können uns Zeit nehmen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abwechselnd zu betrachten und fühlen, was die Veränderungen mit uns und/oder aus uns machen wird. Wir können Mammon, Macht und Manipulation beklagen oder eine Kerze anzünden und Mozart hören, von dem folgende Worte stammen:

„Den Himmel zu erringen ist etwas Herrliches und Erhabenes, aber auch auf der lieben Erde ist es unvergleichlich schön. Darum lasst uns Menschen sein.“